DISAPPEARING BERLIN inszeniert über ein Jahr lang einzigartige Berliner Architekturen und besondere urbane Räume, die akut vom Verschwinden bedroht sind. Mit Performances, Installationen und Konzerten bewegt sich der Schinkel Pavillon in diesem Jahr erstmals in den Stadtraum hinein – hin zu einzigartigen Lokalitäten und ikonischen Architekturen, denen Abriss, Privatisierung oder Umnutzung bevorstehen, nachdem sie über Jahrzehnte das Stadtbild prägten.

Eine Baustelle direkt am Charlottenburger Spreeufer wird zur nächtlichen Bühne für das internationale Tanzkollektiv Young Boy Dancing Group. Trotz des aktuellen Wohnungsnotstands wird das ehemalige Industriegebiet in Bestlage nicht für bezahlbaren Wohnraum freigegeben, sondern muss Büronutzung nachweisen. Direkt daneben zeugt das Hansa-Viertel, das zur ersten internationalen Bauausstellung 1957 als wegweisendes Modell für urbanes Leben entstand, von einer Zeit, in der visionäre Stadtplanung und progressive Wohnkonzepte aktiv gefördert wurden. Allgegenwärtig prägt hingegen ein zunehmender  Wachstums- und Verwertungsdruck das Stadtbild und droht in rasantem Tempo die historisch vielschichtig gewachsenen Fundamente einer Stadt zu zersetzen, deren bewegte Geschichte und komplexe, oft widersprüchliche Textur, sie lange Zeit so einzigartig und anziehend machte.

Der Auftakt von DISAPPEARING BERLIN fand auf der 22. Etage des Postbank-Hochhauses in der 70er Jahre Architektur der ehemaligen Kantine statt: Bei Sonnenuntergang spielten hier 16 Gitarristinnen vor einem beeindrucken Berlin Panorama Julius Eastmans „Gay Guerrilla”. Steven Warwick wird am Waterloo-Ufer in der Südlichen Friedrichstadt eine Flußüberquerung zum versteckt gelegenen Haus 1 inszenieren. Das Parkhaus am Kottbusser Tor wird durch Eli Keszlers wilde Precussion Improvisationen zum Resonanzraum; Billy Bultheel, der u.a. die Musik zu Anne Imhofs FAUST schrieb, bringt dagegen mit Tubas und zwei Tenören das Dach des Álvaro Siza Vierias Bonjour Tristesse Gebäudes am Schlesischen Tor zum Schwingen. Ein ehemaliges DDR Schwimmbad, eine alte Autowerkstatt, ein kultiges Tanzlokal aus vergangenen Zeiten, Bürotürme aus den 70er und 80er Jahren, brutalistische Bauten – Orte, an denen sich über Jahrzehnte unterschiedliche Ären und Ideologien in das Berliner Stadtbild eingeschrieben haben.

An diesen Orten – Brennpunkte aktueller Stadtpolitik –  setzt sich DISAPPEARING BERLIN mit der Vergangenheit, dem Jetzt und der Zukunft Berlins auseinander, um gemeinsam mit den eingeladenen Künstler*innen den Blick für diese Veränderungen zu schärfen. Die Stadt wird zum Protagonisten, zum gesellschaftlichen Körper, in dem sich Zeitgeist und Ideologien ebenso abzeichnen wie gesellschaftliche Veränderungen und Umbrüche. Performance, Kunst und Architektur treten in Dialog und lassen uns diese besonderen Orte wieder und neu erleben.

DISAPPEARING BERLIN begegnet dem um sich greifenden Geschichts- und Gesichtsverlust und richtet den Blick dabei nach vorn, wie ihn ausgerechnet die Einstürzenden Neubauten vorgegeben haben: „Die neuen Tempel haben schon Risse”, singen sie und prophezeien: „Alles nur künftige Ruinen, Material für die nächste Schicht”.

DISAPPEARING BERLIN ist ein Veranstaltungsreihe des Schinkel Pavillon www.schinkelpavillon.de und wird gefördert durch den Hauptstadtkulturfonds und die Spartenoffene Förderung der Stadt Berlin.

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